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Wohin soll ich mein Kind nach der Volksschule schicken?

WOHIN NACH DER VOLKSSCHULE?   

Jedes Jahr um diese Zeit stehen die Eltern jener Schüler/innen, die die vierte Volksschulklasse besuchen, vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie ihr Kind im nächsten Schuljahr in die Hauptschule, Realschule oder ins Gymnasium schicken? Als langjähriger Hauptschullehrer, möchte ich dazu einige Überlegungen anstellen, die bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein könnten: Eine sehr wichtige Entscheidungsgrundlage sollte für Sie, liebe Eltern,  das Gespräch mit der  Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer Ihres Kindes sein. Diese(r) kennt Ihr Kind seit Jahren und kann dessen Fähigkeiten sicher am besten beurteilen. Ausschlaggebend sind in erster Linie die bisherigen Schulleistungen Ihres Kindes. Der Besuch eines Gymnasiums ist wohl nur mit den Noten „Sehr gut“ oder „Gut“ in den Fächern Deutsch und Mathematik ratsam, denn die Anforderungen  der AHS in den Hauptgegenständen Deutsch, Englisch und Mathematik entsprechen jenen der I. Leistungsgruppe in der Hauptschule. Falls sich diese Anforderungen für Ihr Kind als zu hoch erweisen, kann es in der HS in eine niedrigere Leistungsgruppe wechseln, in der AHS gibt es diese Möglichkeit nicht und die einzigen Alternativen sind ein Schulwechsel oder das Wiederholen der Schulstufe.
Wenn Ihr Kind die erwähnten guten Zeugnisnoten erbringt, sollten Sie sich kritisch fragen, unter welchen Rahmenbedingungen dies geschieht. Arbeitet und lernt Ihr Kind völlig selbstständig oder bedarf es der intensiven Mithilfe der Eltern? Bei mangelnder Selbstständigkeit ist vom Besuch eines Gymnasiums auch bei guten Noten entschieden abzuraten. Hinweisen möchte ich auch auf die unterschiedlichen Bildungsziele von HS und AHS. Während die Hauptschule innerhalb von vier Jahren auf den Eintritt ins Berufsleben oder auf den Übertritt in weiterführende Schulen vorbereiten soll, ist es die Aufgabe der AHS, in einem achtjährigen Lehrgang zur Reifeprüfung und damit zur Studienberechtigung zu führen. Die Lehrpläne von HS und AHS-Unterstufe sind allerdings völlig gleich  (wortident), weshalb einem Hauptschüler auch die selben Bildungswege offen stehen wie einem Absolventen einer AHS-Unterstufe. Die mancherorts geäußerte Sorge, ob begabte Kinder in der Hauptschule wohl entsprechend gut auf den Übertritt in höhere Schulen vorbereitet werden, damit sie dort erfolgreich weiter kommen,  ist – wie die Erfahrungen in der HS Leutschach zeigen - mit Sicherheit unbegründet. Jahr für Jahr treten zahlreiche Schüler/innen von uns in höhere allgemeinbildende und berufsbildende Schulen über und bewähren sich in den meisten Fällen recht gut. Eine 100%ige Erfolgsgarantie gibt es nirgends. Auch der Besuch einer AHS-Unterstufe bietet keine Garantie, dass die betreffenden Schüler  in der Oberstufe nicht scheitern.
Wenn man noch dazu bedenkt, dass im städtischen Bereich ca. 80% der Volksschüler von der 4. Klasse in die AHS übertreten, kann man sich lebhaft vorstellen, dass die Gymnasien vor allem in der Unterstufe schon längst keine Eliteschulen mehr sind und sich in ihren Anforderungen an die Leistungsfähigkeit ihrer derzeitigen Schüler angepasst haben.
Überlegenswert erscheint mir auch die Frage, wie sinnvoll es ist, Kinder aus ländlicher Umgebung schon mit 10 Jahren in die Stadt zur Schule zu schicken wenn sie vor Ort bildungsmäßig ohnehin nichts versäumen. Ein Aspekt, der angesichts der ungleich größeren Gefahren in den Städten (Straßenverkehr, Drogen, ... etc.) in den Augen vieler  Eltern immer mehr an Bedeutung gewinnt; denn wenn ein Kind mit 10 Jahren AHS reif ist, ist es das mit 14 Jahren erfahrungsgemäß noch viel eher.
Ihre Entscheidung, liebe Eltern, kann Ihnen niemand abnehmen. Für Sie können andere Motive entscheidend sein und Sie werden es sich nicht leicht machen, weil Sie für Ihre Kinder doch das Beste wollen. Meine Sicht der Dinge mag Ihnen vielleicht ein wenig einseitig erscheinen, aber Sie werden verstehen, dass ich als Lehrer der HS Leutschach schwerlich ganz unparteiisch bleiben kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie die richtige Schule für Ihr Kind finden mögen, eine Schule in der es sich wohlfühlt und die seinen Interessen und Begabungen gerecht wird.

Mit freundlichen Grüßen, Adolf Turtukowskyj

 

 
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